Dienstag, 27. Mai 2014

"Ich war im Besen, und du?"


Was ich in meiner Zeit im Süden Deutschlands wohl am meisten zu schätzen gelernt habe, ist die Weinkultur hier!
Ich liebe es, aus meinem Küchenfenster auf die Weinberge schauen zu können, durch die Weinberge zu spazieren und im Herbst die Winzer tonnenweise Weintrauben auf dem Anhänger transportieren zu sehen.
Da ich aus einer Region komme, in der kein Wein wächst, konnte ich zuvor gerade einmal Rotwein von Weißwein unterscheiden. Mittlerweile habe ich mir, z.B. durch den Besuch einer Weinprobe, ein kleines Grundwissen aufgebaut – was aber natürlich noch ausbaufähig ist.
Eine lückenhafte Weinkenntnis hält mich jedoch nicht davon ab, guten Wein richtig zu genießen. Denn was gibt es schöneres als ein Glas Weißwein zum Essen mit Freunden?


Verliebt habe ich mich da außerdem in die vielen kleinen Besenwirtschaften. Anfangs hatte ich ein riesiges Fragezeichen im Gesicht als Leute mir erzählten, dass sie „im Besen“ gewesen seien. Falls es euch genauso geht:
„Besen“ sind kleine Gaststätten, in denen Weingüter ihren eigenen Wein anbieten. Traditionell findet dies in den eigenen Räumen der Winzer mit maximal 40 Sitzplätzen  statt, sie haben nicht mehr als 4 Monate in maximal 2 Zeitabschnitten im Jahr geöffnet und dürfen nur kalte und einfache warme Speisen anbieten. Dafür benötigen die Besenwirtschaften keine Gaststättenerlaubnis, ein Gewerbe muss aber angemeldet werden.*
Mittlerweile gibt es jedoch auch viele besenähnliche Gaststätten, die auch größere Speisen anbieten und öfter bzw. länger geöffnet haben, als die Besen-Verordnung es vorsieht.
Der Name „Besenwirtschaft“ stammt übrigens daher, dass die Besen, die geöffnet haben, einen Besen vor der Eingangstür hängen haben – dies ist vergleichbar mit den „Straußenwirtschaften“ aus anderen Teilen Deutschlands.
Was ich besonders gern mag, sind die saisonalen Besen.  So zum Beispiel die Spargelbesen – für mich als Spargelliebhaberin ein Traum! Zwar zahlt man für frischen Spargel mehr als für die restlichen angebotenen Speisen, aber mit dem Wissen, dass alle Lebensmittel aus regionalem Anbau stammen, drückt man da gerne mal ein Auge zu.

Für viele von euch sind Besenwirtschaften wahrscheinlich total normal, weil ihr damit aufgewachsen seid – wir aus dem Ruhrpott kennen so etwas jedoch leider nicht, weshalb mich diese traditionellen Gaststätten immer noch total faszinieren. Die altmodische bis urige Einrichtung, die familiäre und lockere Atmosphäre, bei der man sich auch mal zu Fremden an den Tisch gesellt wenn kein anderer frei ist, und dazu mit viel Sorgfalt und Liebe hergestellter Wein… Solltet ihr einmal im Schwabenländle unterwegs sein, und Besenwirtschaften noch nicht kennen, empfehle ich euch eins: Lernt sie kennen!




Spargelbesen - die beste Zeit im Jahr!
    


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