Samstag, 17. Mai 2014

Internet, was machst du mit unserer Kommunikation?

„Moment, ich hör dir sofort zu, ich muss das hier nur mal schnell lesen“...“Dir macht es doch nichts aus, wenn ich mein Handy hier liegen habe?“

Wer kennt sie nicht, diese Sätze? Wenn sie denn überhaupt kommen, denn irgendwie ist es doch mittlerweile selbstverständlich, dass wir unser Smartphone ständig griffbereit haben, mitten in Gesprächen SMS schreiben, Facebook checken, unser Essen fotografieren und ins Internet laden.

In der Bar einen Tisch sehen, auf dem nicht mindestens ein Handy liegt? Eine Person alleine am Tisch sitzen sehen, die nicht wie wild tippt? Am Bahnhof wenigstens einen Menschen sehen, der einfach nur in die Gegend starrt oder im Zug jemanden, der nur aus dem Fenster guckt? Nahezu unmöglich.

Dafür Menschengruppen, die gemeinsam am Tisch sitzen und sich ja doch nicht unterhalten. Die zwar soziale Kontakte pflegen, aber doch eher per WhatsApp und Facebook als untereinander.
Personen, die vor lauter Ablenkung vor Straßenlaternen laufen (Ich meine natürlich nicht mich).
Handytürme in der Mitte von Tischen, um zu wetten, wer als erstes dran geht.
Paare, bei denen mindestens einer telefoniert.
Die Liste ließe sich unendlich fortführen. Aber wenn man so darüber nachdenkt...Warum eigentlich? Liebe Welt, was läuft falsch mit dir? Web 2.0, was hast du mit uns gemacht? Was hast du mit unserer Kommunikation gemacht? Ja, ich geb’s zu, was hast du mit mir gemacht?

Vor einigen Tagen fiel mir ein, dass ich damals, als die Sozialen Netzwerke ihren Anfang fanden in einer SchülerVZ-Gruppe war, die wie folgt lautete: „Ich wurde gezwungen, mich im SchülerVZ anzumelden.“ Und genau das entsprach auch der Wahrheit. Ich wurde wirklich überredet, konnte nicht so richtig verstehen, warum ich mich online mit Freunden vernetzen sollte, die ich doch auch so ständig sah und hörte. Trotzdem meldete ich mich an, entdeckte die Vorteile (Ja, versteht mich nicht falsch...es gibt Unmengen an Vorteilen) und heute kann ich mir ein Leben ohne Social Media nicht mehr vorstellen.

Gerade im Zeitalter von WhatsApp war ich anfangs begeistert davon ständig mit Freunden in Kontakt zu sein, die hunderte Kilometer von mir entfernt wohnen. Die Kommunikation wurde intensiver, wir konnten am gegenseitigen Leben teilnehmen ohne uns zu sehen. Doch das artete auch schnell aus...Plötzlich führt man ständig Gespräche, ist böse, wenn mal länger als 15 Minuten keine Antwort kommt und interpretiert Smileys („Sie hat keinen Smiley geschickt, die ist sauer.“...“Wenn du den Zwinkersmiley schickst, denk ich immer, du bist zickig“...Ähm, bitte was?). Nachrichten von guten Freunden werden plötzlich ganz falsch aufgefasst. Dabei kennt man sich doch schon so lange und kann die Ironie des Anderen normalerweise durchaus verstehen.

Noch schlimmer als das dauerhafte In-Kontakt-Sein mit Freunden ist ja sogar eigentlich das In-Kontakt-Sein mit Fremden. Auf Tweets und Bilder antworten von Menschen, die man auch nur darüber kennt und dafür Menschen vernachlässigen, die wirklich wichtig sind. Ja, Twitter und Instagram sind toll, um neue Freunde zu finden. Freunde, die man unter normalen Umständen vielleicht niemals getroffen hätte. Das möchte ich gar nicht abstreiten – aber wo sollten denn die Prioritäten liegen, wenn man sich gegenüber sitzt?

Man vergisst Freunde, die mit einem im Café sitzen und auf eine Antwort warten, antwortet aber auf eine Frage auf dem Display...weil man Freundschaften ja pflegen muss.

In letzter Zeit erwische ich mich immer häufiger, wie mein Handy mal im „Nicht-stören“-Modus bleibt. Den ganzen Tag. Und wie ich wieder lieber telefoniere statt zu schreiben. Wie WhatsApp wieder dafür da ist, um Treffen zu vereinbaren, statt Diskussionen zu führen. Und wie ich mit Absicht weniger Smileys verwende, damit sie irgendwann nicht mehr gegen mich verwendet werden können.

Und spätestens seit diesen beiden Videos überdenke ich mein Handyverhalten noch einmal...






Um endlich zu einem Schluss zu kommen:


„Look up from your phone. Shut down the display. (...) Live life the real way.“




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