Montag, 30. Juni 2014

„Forced to work exhausting hours“

Ob nun gefaked oder echt, an jeder Stelle kann man in diesen Tagen darüber lesen: in Primark-Kleidung eingearbeitete Hilfeschreie. Forced to work exhausting hours. Degrading sweatshop conditions. Ja, es ist schrecklich. Grausam. Entsetzlich. Arbeiterinnen, die unter menschenunwürdigsten Bedingungen Kleider nähen, die dann in der westlichen Welt auf Wühltischen landen und zu Spottpreisen verkauft werden.
Für Primark bedeutet dieser Skandal nun einen enormen Rufschaden.
 
Aber sind wir doch mal ehrlich: Das ganze betrifft nicht nur Primark, sondern die gesamte Textilbranche.
Primark ist da natürlich ein besonders extremes Beispiel, denn dort lässt die mindere Qualität der Kleidung, billigste Preise und der Aufbau der Läden mit überfüllten Wühltischen und Chemiegeruch im ganzen Raum bereits grauenhafte Arbeitsbedingungen erahnen. Dennoch, bei H&M, Only, Zara, Esprit und allen anderen ergeht es den Arbeitern mit Sicherheit kaum besser. Auch bei Nike verdienen die Näherinnen nur einen minimalen Bruchteil von dem, was wir letztendlich für die Produkte zahlen.

Das schlimmste an dieser Situation jedoch ist die scheinbare Ausweglosigkeit. Mit einzelnen Gesetzen oder Mindestlöhnen ist den Menschen in den Ländern, in denen produziert wird, wohl kaum geholfen. Schließlich sind sie auf ihre Jobs angewiesen, und verdienen oft zwar viel zu wenig, aber doch genauso viel oder mehr wie der Durchschnitt in ihrem Land. Es gibt selbst Stimmen die betonen, dass es Kindern teilweise noch schlechter gehen würde, wenn Kinderarbeit verboten werden würde – das Geld würde den Familien merkbar fehlen.


Viel eher geht es wohl um ein gesellschaftliches Problem in unserer westlichen Welt. Hätten wir nicht eine solche Überkonsumption an Kleidung und wären wir bereit, mehr für unsere Kleidung zu zahlen – sähe das Ganze vielleicht schon anders aus. Denn uns gehören die bereits viel zu vollen Kleiderschränke und wir sind es, die die Unternehmen unter Druck setzen, Kosten zu sparen, indem wir höhere Preise ganz einfach nicht bezahlen wollen. Es müssen sich ganze Systeme, Strukturen und Gesellschaften ändern, bevor wirklich jemandem geholfen werden kann.

Das geht leider nicht von heute auf morgen, schon gar nicht, solange nicht alle Menschen dieses Bewusstsein erlangt haben. Was also können wir heute schon tun, wo doch selbst teurere Ware nicht unbedingt fairer hergestellt wurde? Es bleiben uns wohl zwei Möglichkeiten. Zum einen gibt es mittlerweile viele kleine Unternehmen, die es sich auf die Flagge geschrieben haben, Kleidung fair und ökologisch zu produzieren und zu verkaufen, die Preise sind dabei natürlich meist etwas höher. Armedangels aus Köln ist eines davon.

Zum anderen bleibt uns nur, weniger zu konsumieren. Klingt schwierig, ich weiß – aber sich einerseits über die Situation in den Produktionsländern beschweren und andererseits weiter wöchentlich bei H&M einkaufen zu gehen klingt meiner Meinung nach geheuchelt. Niemand verlangt gar nicht mehr zu shoppen, wir sind doch alle nur Frauen. Aber vielleicht etwas weniger, das x-te T-Shirt und den y-ten Schal einfach mal im Laden lassen.

Einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass sich irgendwann mal etwas ändert. Dass die Unternehmen aufwachen aus ihrer Profitgier, Arbeitsbedingungen verbessern, faire Löhne zahlen. Und man wieder mit gutem Gewissen Kleidung kaufen kann.





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