Donnerstag, 6. November 2014

why first choices don't matter




Im Leben laufen die Dinge wohl selten bis nie so, wie wir sie uns vorstellen. Aber - ist das so schlimm? Wäre es nicht langweilig, wenn immer alles nach Plan läuft? Würden wir dann nicht die vielleicht tollsten Erfahrungen verpassen?
Wenn ich auf die größten und wichtigsten Entscheidungen in den letzten Jahren meines Lebens zurückblicke, wird mir bewusst, dass sie letztendlich nie auf meine ursprüngliche „erste Wahl” fielen. Und es dennoch wohl nie hätte besser laufen können, und ich keinen einzigen Schritt bereue.



Zunächst war da die Wahl einer Gastfamilie in den USA. Ich hatte zuerst Kontakt zu einer Familie aus der Gegend um Boston, und hätte wohl sofort zugesagt. Boston – das klang nach Harvard und allem, was man dank „Natürlich Blond“ damit verbindet. Ein Jahr in New England – dem Zuhause von so endlos vielen Romanen. Aber die Familie entschied sich für ein anderes Aupair. Und ich fand letztendlich meine Gastfamilie in Virginia, hatte das beste Jahr meines Lebens, fand Freunde fürs Leben und sehne mich hin und wieder immer noch nach der  tollen Zeit zurück.



Anschließend dann die Wahl eines Studienortes. Jahrelang redete ich davon, in Bremen studieren zu wollen. Warum? So genau weiß ich das gar nicht – wohl, weil es für Tourismusmanagement nicht allzu viele öffentliche Hochschulen gibt, und Bremen am attraktivsten klang. Ich schmiedete also bereits Pläne und dachte überhaupt nicht daran, woanders zu studieren. Bis dann die Absage kam. Und ich kurz nicht wusste, wo ich hin sollte. Die Entscheidung fiel auf Heilbronn, einer Stadt in Baden-Württemberg, die ich nur kannte, weil eine meiner Aupair-Freundinnen dort herkam. Es hat gedauert, mich damit abzufinden; nichts verband mich zuvor mit Süddeutschland. Ich brauchte Zeit, um mich einzuleben, um Heilbronn schätzen zu lernen – aber nach zwei Jahren muss ich sagen: es waren zwei fantastische Studienjahre mit wunderbaren Menschen um mich herum. Wer weiß, ob ich in Bremen genauso gute Freunde gefunden hätte, ob ich genauso viel Spaß gehabt hätte, ob ich mich dort auch in die Richtung entwickelt hätte, wie ich es in Heilbronn getan habe. Aber das spielt auch gar keine Rolle mehr.



Der nächste Schritt: Auslandssemester. Englischsprachig sollte es sein, aber nicht nochmal in die USA, einen Platz in England zu bekommen schien aussichtslos, also war schnell klar: Skandinavien – die Menschen dort haben ja den Ruf, gutes Englisch zu sprechen. Nach einem Blick auf die Liste unserer Partneruniversitäten entschied ich mich schnell dazu, mich in Helsinki zu bewerben (*mittlerweile habe ich mir sagen lassen, dass Finnland eh nicht zu Skandinavien gehört...). Wieder mal war ich bereits voller Vorfreude, plante im Kopf bereits meinen Aufenthalt dort, bekam von meiner Hochschule das Gefühl, dass ich den Platz sicher bekommen sollte. Dann die Absage. Klar, erst einmal war ich enttäuscht. Musste alles über den Kopf schmeißen, mich mal wieder mit etwas anderem abfinden. Dieses „etwas andere“ wurde dann Budapest – eine Stadt, in die ich mich schnell verliebt habe, in der ich jeden einzelnen Tag genieße und traurig darüber bin, wie schnell die Zeit hier vergeht. Und insgeheim ein bisschen froh darüber, keinen skandinavischen Winter erleben zu müssen…



Was mir all diese Erfahrungen gelehrt haben?



Es kommt nicht darauf an, ob du deine erste Wahl bekommst oder deine zweite oder deine dritte. Es kommt darauf an, was du daraus machst. Mit welcher Haltung du umdenkst und neue Pläne machst. Frustration bringt nichts, wenn man es eh nicht ändern kann. Take what you get and make the most out of it. Jeden einzelnen Tag. Im Nachhinein ist es nämlich gar nicht wichtig, was man eigentlich wollte – wichtig ist nur, was man hatte. Und vielleicht sind Absagen ja auch ein Wink des Schicksals, das einem sagen will, dass woanders etwas viel Besseres auf einen wartet. 



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