Mittwoch, 13. Mai 2015

he's just not that into you



Manche Wahrheiten will man sich einfach nicht eingestehen. „Er steht einfach nicht auf dich“ ist wohl eine davon. Statt ihr ins Gesicht zu blicken, ratschlagt man lieber stundenlang mit Freundinnen, sucht und erfindet Entschuldigungen wie Ausreden, und macht sich selbst immer wieder Hoffnung. Weil nichts frustrierender ist als die Einsicht: Er steht einfach nicht auf mich. Und wieso auch sollte jemand NICHT auf uns stehen?
Hollywood hat dieses Dilemma 2009 dargestellt und ich habe erst vor einigen Wochen erfahren, dass der Film auf einem Buch beruht. In diesem erläutert Greg Behrendt, einst Consultant für „Sex and the City“, seine männliche Sichtweise – ehrlich, direkt und ohne Rücksicht auf Gefühle. Seine Antwort auf jegliche Beziehungsprobleme – he’s just not that into you. Wenn er dich nicht nach einem Date fragt – steht er halt nicht auf dich. Wenn er dich betrügt – steht er halt nicht auf dich. Wenn er nicht anruft – steht er halt nicht auf dich. Wenn er Angst vor einer festen Beziehung hat – steht er einfach nicht auf dich. Bei Greg gibt’s kein grau, es gibt nur schwarz oder weiß. Entweder er steht auf dich oder eben nicht. Klingt nüchtern betrachtet auch erstmal ganz logisch.

„Shitty relationships make you feel shitty,
and that’s not what you were put on this earth for.“

Ja Greg, ich weiß, wenn jemand nicht aufhören kann an mich zu denken, dann wird er sich früher oder später bei mir melden. Er wird sich Mühe geben und Versprechen einhalten. Blabla. Aber es ist dieses Schwarz-Weiß-Denken, was mich stört. Denn nicht jede Beziehung ist gleich, ebenso wenig wie jeder Mensch – Mann – gleich ist. Oder?

Was Greg nicht will, ist dass wir Frauen uns zuerst bei dem Mann melden. Warum nicht? Ich dachte, wir leben im 21. Jahrhundert? Muss manchmal nicht vielleicht auch die Frau den Mann auf sich aufmerksam machen?

Und jetzt klinge ich vielleicht wie eine von den verzweifelten Frauen, deren Briefe Greg in seinem Brief mit der immer gleichen Aussage beantwortet: He’s just not that into you. Aber: Vielleicht ist er ja einfach zu schüchtern, um auf mich zuzugehen. Vielleicht hatte er ja wirklich kein Internet, und hat trotzdem an mich gedacht. Vielleicht ist er ja wirklich geprägt von vergangenen Beziehungen, und braucht einfach etwas Zeit. Vielleicht hat er ja wirklich nicht über sein Verhalten nachgedacht.

„You are exceptional,
but not the exception.“

Greg gibt zwar zu, dass es diese Ausnahmen sehr wohl geben mag – aber er möchte, dass wir uns nicht in dem Glauben an die Ausnahme verrennen sollten. Sondern lieber davon ausgehen, die Regel zu sein. Das spart Zeit und am Ende Tränen, kostet aber erstmal eine Menge Mut und Überwindung. Es ist nicht leicht sich einzugestehen, dass Gefühle manchmal einfach nicht erwidert werden. Nur weil wir ihn gerade für den coolsten Typen auf Erden halten, sieht er in uns vielleicht nicht gleichzeitig auch seine Traumfrau. Vielleicht schreibt er wirklich nicht direkt zurück, weil er zu beschäftigt ist oder sich interessant machen will. Wahrscheinlicher ist aber, dass es ihm einfach nicht wichtig genug ist. Er einfach nicht genug auf uns steht.

„Don’t waste the pretty.“

Was Greg uns daher auf 200 Seiten versucht klar zu machen, ist Folgendes: Wir sollten uns für all die Ausreden, all das Warten, all das Hin und Her Überlegen, all die vorhersehbaren Enttäuschungen viel zu schade sein. Wir haben all das nicht nötig. Und wollen wir das wirklich? Unsere Zeit vergeuden, in dem wir auf ihn warten, an ihm verzweifeln, alles analysieren und interpretieren, für nichts und wieder nichts? Wenn er uns nicht will, dann ist er es, der was verpasst. Jemand, der uns will, wird alles dafür tun uns auch zu bekommen. Sobald er uns nicht mehr glücklich macht, wir nicht mehr wir selbst sind, sollten wir ihn gehen lassen.

Aber was dann?

Greg tut so, als gäbe es für jeden von uns den perfekten Mann da draußen, der nur darauf wartet, uns endlich kennenzulernen. Und dieser perfekte Mann wird uns anrufen, uns schreiben, uns zum Essen einladen, eine feste Beziehung wollen, uns nie betrügen, und allgemein einfach keine Fehler machen. Aber ist perfekt nicht langweilig? Wer will schon diesen perfekten Mann ohne Makel? Liegt nicht gerade im Unperfekten der Reiz, dieses gewisse Etwas? Wollen nicht auch wir Frauen einen Mann erst von uns überzeugen müssen? Ist es nicht langweilig, wenn von Anfang an alles nach Plan läuft?

Ich will keinen perfekten Mann, auch keine perfekte Beziehung. Perfektion, sollte sie überhaupt existieren, macht mir Angst. Aber ich will einen Mann, der mich zu schätzen weiß. Dem ich etwas wert bin. Und der mir das auch zeigt. Denn, und genau da liegt Greg’s Punkt, alles andere ist Zeitverschwendung. Ganz egal, ob er letztendlich zu den Ausnahmen zählt oder nicht: Solange er uns nicht so behandelt, wie wir es uns wünschen, hat er unsere Aufmerksamkeit schlichtweg nicht verdient. Und diese Einsicht ist unglaublich befreiend und erleichternd.

„…because I believe in love the verb, not the noun.“


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