Donnerstag, 2. Juli 2015

Ich wollte nie erwachsen sein



Aber ich wurd ja nicht gefragt.

Ich wollte immer bloß groß genug sein, um mir die Welt anzugucken, aber nie so groß, dass mir dazu Zeit und Geld fehlen könnte.

Ich wollte immer frei sein, und selbständig, aber nie habe ich mir gewünscht Arbeitsverträge und Mietrecht in mein Alltagsvokabular aufnehmen zu müssen.

Ich wollte immer die große Liebe finden, aber nie war davon die Rede, dass Prinz Charming, nachdem er Dornröschen wachgeküsst hat, auch sagen könnte „Oh, doch nicht die Richtige“.

Wollte immer mein eigenes kleines Reich haben, aber habe bis dahin doch nie eingesehen, dass sich der Haushalt nicht von alleine schmeißt.

Habe immer einen auf Indianer gemacht, aber dann war Mama plötzlich zu weit weg, um mir kurz einen Tee zu kochen und die Wärmflasche zu bringen.

Wieso folgt in dieser Erwachsensenwelt auf so vieles ein „aber“?


"Don't grow up. It's a trap."
- Peter Pan


Die Kindheit scheint rückblickend wie eine einzige große Party: all deine Freunde wohnen im Umkreis von maximal 1 km, ihr streitet um Ken und darum, wer das letzte Stück Schokolade bekommt. Heute bietet man dieses natürlich höflich dem Anderen an, wir sind ja alle so nett zueinander. Und Ken kann mitunter auch mal echt und lebendig sein.

Wenn du nicht weißt, wo du nächstes Jahr bist und was du nach deinem Studium machst, oder wenn du weniger als ein Mal die Woche Nachrichten guckst, dann verlasse besser nicht das Haus oder verhalte dich wenigstens so still wie möglich.


Und genau deswegen lebe ich für die Momente, in denen ich freudetrunken abends auf dem Spielplatz herumtolle, in denen ich mich in völlig sinnfreien Konversationen verliere und in denen ich einfach mal nicht an morgen oder übermorgen denke.


Diese Erwachsenenwelt kann manchmal so unfassbar ernst wirken. Als gäbe es am Ende einen Preis für die mit dem besten und lückenlosesten Lebenslauf, und maximal eine Flasche Seifenblasen als Trostpreis für die, die es vielleicht nicht zum vorstädtischen Einfamilienhaus mit BMW in der Einfahrt geschafft haben. Als würde es hier um mehr gehen, als einfach zu leben und glücklich im Moment zu sein.

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